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AGN-Tagung Firmenpublizität / Offenlegung

Einem europaweit für mittelständische Unternehmen einerseits interessanten, andererseits aber auch sehr belastenden Thema war der Schwerpunkt der diesjährigen AGN-Fachtagung in Bratislava gewidmet, nämlich der durch EU-Richtlinien europaweit vorgegebenen Firmenpublizität.

Burg in Bratislava

Burg in Bratislava (© PHB.cz -
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Unternehmen, die eine Haftungsbeschränkung in Anspruch nehmen, also z.B. GmbHs und GmbH & Co. KGs, sind dadurch verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse innerhalb von 12 Monaten in Deutschland beim elektronischen Bundesanzeiger einzureichen. Für kleine Unternehmen gibt es dabei eine Reihe von Erleichterungen und Ausnahmen. Gleichzeitig sind durch eine Neufassung der EU-Richtlinie, die in Deutschland durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) umgesetzt wurde, neue Änderungen bei der Offenlegung von Unternehmens-Jahresabschlüssen ab dem Jahr 2016 eingeführt wurden.

Im ersten Teil der Tagung wurden einerseits die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet, die für die Offenlegung in den einzelnen europäischen Staaten gelten, gleichzeitig wurden Möglichkeiten und Handlungsweisen erörtert, wie man bei mittelständischen Unternehmen sensible Sachverhalte bei der Offenlegung so weit wie möglich ausklammern kann. Durch die in der Regel bei Mittelständlern bestehende Konzentration auf nur wenige Produkte lassen sich z.B. aus den GuV-Zahlen eines mittelständischen Unternehmens weit präzisere Rückschlüsse auf Kostenstruktur, Deckungsbeiträge und Margen gewinnen als bei Großunternehmen, wo aufgrund der Vielzahl der Produkte kaum mehr Rückschlüsse auf die Kostenstruktur einzelner Produkte möglich sind.. Bei der von SH+C Geschäftsführer Richard Hempe moderierten Sitzung stellte sich heraus, dass die EU-Richtlinie in einzelnen europäischen Ländern weitgehend ähnlich umgesetzt wurde und damit die offenlegungspflichtigen Informationen auch in anderen EU-Ländern ganz ähnlich wie in Deutschland sind. Den Schluss der Sitzung bildete eine Aussprache über Gestaltungsoptionen, mit denen man bei Unternehmen mit besonders offenlegungssensiblen Daten den Umfang der Offenlegung zumindest reduzieren kann.

In einer weiteren Sitzung der Fachtagung wurden die Zugriffsmöglichkeiten auf Unternehmensdaten in den einzelnen EU-Staaten erörtert. Hier kristallisierten sich sehr rasch deutliche Unterschiede heraus, wie in den einzelnen EU-Staaten der Umfang der zugreifbaren Informationen und deren Qualität geregelt sind. So sind z.B. in England sehr weitgehende Unternehmensinformationen zentral abfragbar und die Offenlegungspflicht wird strikt durchgesetzt, wohingegen bei anderen EU-Staaten die Offenlegung im pdf-Format erfolgt, deren Lesbarkeit jedoch nicht kontrolliert wird, so dass die Hinterlegungen zwar formal erfolgt sind, die hinterlegten Daten jedoch zum Teil nicht lesbar sind. Die Online-Präsentation der Zugriffsmöglichkeiten in den verschiedenen Ländern war für die Teilnehmer von erheblichem Interesse, weil für einfache Fälle damit auch Zugriffe auf Unternehmensdaten anderer Länder rasch möglich sind und man durch den Austausch mit den Kollegen aus den anderen Ländern ggf. auch über die dortigen Spezialisten Daten relativ kurzfristig beschaffen kann.

Insgesamt ist als Ergebnis der Tagung festzuhalten, dass es mittlerweile über die im gesamten EU-Raum eine weitgehend funktionierende Offenlegung von Unternehmens-Jahresabschlussdaten gibt und diese Daten auch relativ einfach und kurzfristig beschaffbar sind. Damit haben einerseits Unternehmen eine gute Quelle, um sich Informationen über die Bonität von Kunden und Lieferanten zu verschaffen. Andererseits darf man dabei auch nicht übersehen, dass andere in gleicher Weise damit Informationen über das eigene Unternehmen beschaffen können. Dies muss man bereits bei der Planung der Offenlegung, also im Rahmen der Jahresabschlusserstellung mit in Betracht ziehen. Bei Gesprächsbedarf stehen Ihnen hier gerne die Offenlegungsspezialisten der SH+C zur Verfügung.

Eingestellt am: 28.10.2015